
Am Sonntag fand im Begegnungszentrum des Helferkreises Wilburgstetten die Zeitzeugenveranstaltung „Erlebt, erinnert, weitergegeben“ statt.
Rund 30 Besucherinnen und Besucher nahmen an der etwa eineinhalb- bis zweistündigen Veranstaltung teil. Die beiden Zeitzeugen Heinz Both aus Dinkelsbühl und Helga Deininger aus Feuchtwangen berichteten dabei von ihren persönlichen Erfahrungen sowie ihren Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegsjahre.
Heinz Both erzählte von seiner Kindheit in Krakau, wo er mit seiner Familie von 1940 bis 1945 lebte. Er schilderte die schwierigen Lebensbedingungen während des Krieges und berichtete von einer schweren Erkrankung, die zunächst falsch eingeschätzt wurde. Seine verzweifelte Mutter suchte schließlich einen jüdischen Arzt auf, der die richtige Diagnose stellte: eine Blinddarmentzündung. Durch dessen Hilfe konnte Heinz Both rechtzeitig operiert und gerettet werden. Besonders bewegend war seine Erinnerung daran, dass der Arzt selbst zu dieser Zeit bereits von den nationalsozialistischen Einschränkungen betroffen war und später vermutlich Opfer der Verfolgung wurde.
Nach der Vertreibung aus Krakau kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Heinz Both erinnerte sich auch daran, wie er erstmals von den Verbrechen an den Juden hörte. Eine Bemerkung über die Konzentrationslager blieb ihm dabei besonders im Gedächtnis.
Helga Deininger berichtete über ihre langjährigen Recherchen zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Feuchtwangen. Anhand zahlreicher Dokumente und Daten zeigte sie auf, wie sich das Schicksal vieler jüdischer Familien entwickelte. Zwar wurden nach ihren Erkenntnissen keine Juden direkt aus Feuchtwangen deportiert, doch viele waren zuvor in größere Städte gezogen und wurden dort Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Insgesamt konnten 28 ermordete ehemalige jüdische Einwohner dokumentiert werden. Im Rahmen ihrer Nachforschungen nahm sie auch Kontakt zu Nachfahren und Überlebenden in verschiedenen Ländern auf, unter anderem in Australien.
Beide Zeitzeugen betonten die Bedeutung des Erinnerns und der Aufklärung. Heinz Both erklärte, dass er lange Zeit nicht geglaubt habe, ähnliche Entwicklungen könnten sich wiederholen. Heute sehe er dies kritischer und fühle sich deshalb verpflichtet, weiterhin öffentlich von seinen Erfahrungen zu berichten. Helga Deininger appellierte daran, wachsam zu bleiben und Minderheiten nicht für gesellschaftliche Probleme verantwortlich zu machen.
Im Anschluss an die Vorträge hatten die Besucher Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit den Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. Bei Kaffee und Kuchen klang die Veranstaltung in einer offenen und persönlichen Atmosphäre aus.
Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig die Weitergabe persönlicher Erinnerungen und historischer Erfahrungen für das Verständnis der Geschichte und für ein respektvolles Miteinander in der Gegenwart ist
